Das Zukunftsbild

10. Juni 2016 - Ralf Hildebrandt

Heute Abend ist es ja soweit – die Fußball EM 2016 beginnt. Es sei uns verziehen, dass wir zugunsten einer schönen Metapher für unser Thema heute auf das Großereignis aufspringen.

Also. Nehmen wir einmal an, Sie berufen eine Führungskräftetagung ein. Dort soll die Zukunft Ihres Unternehmens im Mittelpunkt stehen. Sie wissen, dass der unbekannte (rote) Anteil der Zukunft nicht planbar ist. Sie ergänzen deshalb den Plan, den Sie für den blauen Teil routinemäßig erstellt haben. Und zwar um einen Teil, den Sie vielleicht „Zukunftsbild“ nennen. 

Den Plan können Sie in Arbeitsgruppen weiter aus- bzw. erarbeiten lassen. Dazu genügt eine Anweisung: „macht das ´mal genauer – brecht das für euren Bereich herunter und erstellt Maßnahmen für die Umsetzung.“ Das ist Routine. 

Das Zukunftsbild ergänzt den Plan. Das können Sie allerdings nicht ER-arbeiten lassen. Sondern höchstens BE-arbeiten (lassen). Sie gehen also mit einer Art Null-Version los, indem Sie Ihren Leuten vorstellen, wogegen Sie sich in Ihren eigenen Vorstellungen nicht wehren konnten: nämlich Ihre Vorstellung der Zukunft.

Natürlich versteigen Sie sich nicht in die Idee, Sie würden die Zukunft besser einschätzen können. Nur weil Sie die Chefin sind. Oder der Chef. Aber Sie sehen eben andere Dinge. Oder die Dinge anders. Ihren Leuten stellen Sie diese Momentaufnahme (dickes Datum dazu notieren!) dann vor. Etwa in einer Art Pitch über 20 Minuten. Es geht dabei nicht darum, ob Sie richtig oder falsch liegen – wer sollte das schon wissen. Und es geht auch nicht darum, demokratisch darüber abzustimmen, welches Zukunftsszenario wohl eintreten könnte. Demokratie ist kein geeignetes Werkzeug um Gewinn zu erzielen. 

Während man gewohnt ist, systematisch mit dem blauen Teil der Zukunft umzugehen, ist das für den roten Teil selten so: worum geht es beim unbekannten Teil der Zukunft? Wie soll man sich darauf vorbereiten, wenn man doch nicht weiß, was kommt?

Dabei hilft der Fußball (endlich!). 

Hand drawing a soccer game tactics with white chalk on blackboard.

Man kann sich als Fußballmannschaft auf seinen Gegner auf zwei verschiedene Arten vorbereiten.

  1. Man studiert den Gegner und macht sich daraus ein Bild, wie der sich wohl beim Spiel verhalten wird. Wir müssten herauskriegen, wie sich die Zukunft benehmen wird und welche Elemente sie haben wird. Und dann beginnen wir sofort damit, uns darauf vorzubereiten. Damit wir nicht außen herum von ihr überdribbelt werden. 
    Dann kommt man aufs Spielfeld und man entdeckt, dass sich der Gegner gar nicht nach dem richtet, was man da mit Mühe vorbereitet hat. Falls er sich danach richtet und sich genau so benimmt, wie man sich das gedacht hat, dann hat man gute Karten. Dann trifft der Gegner auf einen vorbereiteten Gegner.

    Aber diese alte Denkweise ist heute sehr gefährlich. Denn man beobachtet nie allein. Und schon das Beobachten ändert das Beobachtete. Das heißt, der Gegner hat gute Gelegenheit, sich auch vorzubereiten und uns auf dem linken Fuß zu erwischen. Uns zu überraschen. Dynamik!

  2. Die zweite Möglichkeit ist: wir studieren die Möglichkeiten des Gegners. Also nicht, was er machen wird, sondern welche Spieler er hat, wo die besonders gut sind, wer links kann, wer rechts, außen usw.. Dann überlegen wir uns, was man mit diesen Möglichkeiten alles machen kann. Mit welcher Strategie könnte man aufs Feld kommen? Mit dieser oder jener? Wobei wir alle zusammen wissen, dass wir nicht wissen, mit welcher er tatsächlich aufs Feld kommen wird. Wahrscheinlich mit irgendetwas dazwischen.

    Wenn wir uns das erkenntnisreich gegenseitig zur Verfügung gestellt haben, geht es ans Trainieren. Wir trainieren, zwischen diesen Möglichkeiten so schnell wie möglich zu wechseln. Und erst dann gehen wir aufs Feld. Ohne Kenntnis der Zukunft. Wir reagieren kontextabhängig spontan in der jeweiligen Situation. 

    Damit das funktionieren kann, benötigt man eine qualitativ hochwertige Kommunikation. Man muss zum Beispiel auf dem Feld die Ideen der Einzelnen aufnehmen und umsetzen, ohne dabei sprechen zu können. Ein bisschen herumbrüllen ist ok, aber mehr nicht. Diese Kommunikation im Stress des Spiels, die muss man beherrschen. Das ist ein Kulturelement. 

Wir haben das vor kurzem bei einem Unternehmen so erleben dürfen. Die hatten das ganz gut drauf. Muss man sagen. Immerhin mit 100 Managern. Können Sie bestimmt auch – falls die Zukunft einmal wieder anklopft! 

Wenn wir an dieser Stelle noch auf ein Webinar mit Dr. Wohland zum Thema Wissensmanagement in modernen Unternehmen verweisen dürfen: Seibert Media in Wiesbaden ist der Veranstalter – der Chef Martin Seibert ist ein umtriebiger Unternehmer und wird das einstündige Webinar am 15.6. morgens moderieren. Mehr dazu und die Anmeldung finden Sie hier: Seibert Media Webinar: Wissensmanagement in modernen Unternehmen.

Bis nächste Woche!

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Bildnachweis: istockphoto IvelinRadkov 65962541

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