Der Dreisprung der Angst

14. Oktober 2016 - Ralf Hildebrandt

Manchmal geschieht es, dass ein Manager(in) in einem vertraulichen Gespräch durchblicken lässt, er verspüre Angst. Meist zwischen den Zeilen. Es ist wichtig, so etwas wahrzunehmen und nicht zu ignorieren. Denn das ist kein Makel, sondern der Hinweis auf ein Führungstalent. Warum? 

In solch einer Gesprächssituation macht es dem Gesprächspartner nichts mehr aus, auch über Gefühle zu reden, die normalerweise nicht an einem Manager (und vielleicht schon gar nicht an einer Managerin?) kleben dürfen. Natürlich darf man Angst davor haben, die eigenen Leute wären zu dumm, um eine Situation zu bewältigen. Das schon. Aber dass man ganz persönlich Angst hat? Dass man etwas gar nicht sieht? Nicht versteht? Nicht schafft? Das sicher nicht. 

Direkte oder indirekte Äußerungen, die auf Angst schließen lassen – Sie können es auch Sorge nennen – ist ein Signal Ihres Gesprächspartners, dass nun Offenheit erlaubt ist. Ungefähr so: „also ich offenbare mich dir jetzt – du kannst ruhig das Risiko eingehen, auch zu äußern, wie du die Situation einschätzt. Und es ist auch ok, wenn du mir mal sagst, wo du dir deiner Sache nicht sicher bist.“ Man wird quasi eingeladen. Einfach so könnte man das Risiko nicht eingehen. 

Young mouse jumping in front of white background

Das ist also keine charakterliche Schwäche – ganz im Gegenteil. Wenn ein Manager(in) von sich sagen kann, Angst zu haben, kann man daraus meist Führungstalent ableiten. Denn er kann sich selbst (auch sprachlich!) zugestehen, wo er einen Mangel sieht. Entweder er besorgt sich dann jemanden, der ihm hilft, diesen Mangel zu beseitigen. Oder er lernt mit der Angst zu leben. Oder er (sie) findet eine ganz andere Möglichkeit, damit umzugehen. Aber es ist immer ein Signal für den Dreisprung, um Angst zu überwinden: 

  1. Ich habe es erkannt.
  2. Ich habe es ausgesprochen.
  3. Ich bin dabei, damit umzugehen (wo ich es jetzt doch schon ausgesprochen habe).

Bei richtig guten Leuten kann man das so erleben. Das können Sie ruhig als kleine Verneigung annehmen, wenn Ihnen das – als hartem Knochen – demnächst auch einmal gelingen sollte.  

Eigentlich ist darunter aber keine moralische Aufforderung zu verstehen; „der gute Manager sei jetzt ängstlich“. Sondern der Gedanke, dass ein Hinweis auf Angst bei moderner Organisation hilfreich ist. Und in manchen Fällen sogar gebraucht wird. Erst dann kann beispielsweise ein externer Berater nützlich sein. 

Bis nächste Woche!

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