Intelligenzauslöschung

20. Oktober 2017 - Ralf Hildebrandt

„Also – da stehen wir doch recht kontrovers gegenüber. So geht es nicht weiter. Eine Ansammlung geballter Inkompetenz. So ein Idiot, wie kann man nur“.

Wie kann man nur, werte Leserinnen und Leser? Wie kann es sein, dass intelligente Menschen es nicht schaffen, ihre Intelligenzen zusammenzulegen? Und man sich sogar beschimpft? Oder sich – wenn auch oft nur im Nachhinein – grenzenlose Dummheit vorwirft? 

Das kann ganz schnell gehen. Man verrennt sich in Situationen, in welchen es eigentlich um recht sachliche Themen geht. Etwa, wie ein neues Produkt einzuführen ist, was noch zum Portfolio gehören soll (oder nicht), ob man sich in einem hochpreisigen Segment selbst betätigt oder billiger produzieren lässt. Oder überall dort, wo man verschiedener Meinung sein kann. Weil es noch kein Wissen (Argumente) gibt. 

Wenn die einzige Erklärung für eine verfahrene Situation die Sturköpfigkeit der anderen ist, manövriert man sich in eine Sackgasse. Das muss falsch sein. Die Dummheit der anderen ist nicht die Lösung, wenn man in Summe dümmer wird. Und das gilt praktisch immer. Denn man trifft äußert selten auf Menschen, von welchen man ganz sicher der Meinung sein kann, dass sie ihrem Job nicht gewachsen wären. Die Frage, die zur Lösung führt, ist also nicht: „wie werden wir den Idioten los?“ 

Die richtige Frage muss lauten: wo ist der Strukturfehler*? Denn die Menschen sind ja intelligent – wie gesagt. Nur eben verschiedener Meinung.

Welche Struktur muss man anbieten, damit man aus dem Teufelskreis ausbrechen kann? Das fehlende Strukturelement heißt „Experiment“. Ein Experiment böte hier die richtige Architektur, damit nicht alles ständig in Bewegung ist. Gestritten wird in allen Unternehmen. Das ist normal, wenn um eine gute Lösung gerungen wird. Dabei kann es auch einmal laut werden. Aber irgendwann muss jemand vorbeikommen und ein Machtwort sprechen. Vielleicht ist es jemand ganz ohne Macht, aber mit hohem Ansehen. Sie (er) beendet die fruchtlose Diskussion und das Gezerre: „wir ziehen das jetzt einmal durch – egal, ob es richtig oder falsch ist. Wir probieren das aus.“  

Alleine durch reden (ausdiskutieren, ausreden) kann man Intelligenz nicht zusammenlegen. Im Gegenteil. Intelligenz führt dann dazu, dass immer noch ein  Argument auftaucht. Die Diskussion hat kein Ende. Gerade weil die Leute so intelligent sind. Es fällt ihnen einfach immer noch etwas dazu ein. 

Ein Intelligenz-Wirbel ensteht. 

Die Intelligenz des Unternehmens beschäftigt sich mit sich selbst. Jede Intelligenz findet eine Gegenintelligenz und neutralisiert sich dadurch. In der Summe sieht das dann aus wie ein Haufen dummer Leute. Als wäre die ganze Firma dumm. Außer der Geschäftsführung vielleicht. Aber das ist falsch. Es ist genügend Intelligenz vorhanden. Nur die Struktur, die diese Intelligenz zusammenlegen könnte, die fehlt. Und das ist das Experiment. Für ein Experiment braucht es jemanden, der eingreift und ans Machen erinnert. Auch wenn es noch fünf bis sechs Gegenargumente gibt. Dann macht man ´mal. Und wenn man dann gemacht hat, redet man wieder miteinander. Wenn alle durch die Erfahrung klüger sind, dann. Aber jetzt machen wir erst einmal eine Erfahrung.

Und wenn es grandios schiefgeht, das Experiment? Dann geht es eben schief, kostet eine Menge Geld und Körner. Es riecht nach Innovation. Die findet jeder prima. Wenn sie da ist. Nur den Weg dorthin nicht.  

Bis übernächste Woche!

*wie immer, wenn es nicht um Wissen geht.

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