Ist es so recht, Chef?

16. November 2016 - Ralf Hildebrandt

Haben Sie auch schon einmal bei der Einrichtung von „Innovationsinseln“ mitgewirkt, liebe Leser?

Nein. Sie nicht. Wir auch nicht. Wir bekommen so etwas auch nur erzählt. Da werden die Wände mit denselben Ornamenten versehen, wie man sie letztens beim Rundgang durch die nächstgelegenen Google Offices bestaunt hat.

So mancher Manager macht sich inzwischen daran, Platz für Innovation und Experimente zu schaffen. Dagegen ist im Prinzip nichts einzuwenden. Wir nennen das Schutzraum. Man muss nur acht geben, dass man in die schönen Work Spaces auch den eisigen Wind des Marktes lässt. Nicht, dass Sie als Manager aus Versehen zur Instanz dafür werden, was gute Arbeit ist und was nicht. Das kann man sich einhandeln. 

Das sollten Sie aber lieber Kunden und Konkurrenten – also dem Markt – überlassen. Woher wollen Sie auch wissen, mit welcher der unausgegorenen Ideen aus Ihrem hauseigenen Think-Tank in Zukunft Geschäft zu machen ist? 

Klingt Ihnen das jetzt ein bisschen zu harsch? Fragen Sie sich, ob man gleich jeden Versuch, etwas Neues zu Wege zu bringen, an eine bezahlte Rechnung ketten muss? Reicht es nicht, wenn die Mitarbeiter Ihres Future Labs mit der Enttäuschung leben müssen, dass Sie als Chef vom neuesten Vorhaben irgendwie wenig begeistert sind? Ist doch schon Dämpfer genug, oder? 

Nun ja – es geht hier aber gar nicht darum, ob „Schöner Wohnen“ beim Weg in die Zukunft hilft, oder nicht.

Es geht um den Unterschied zwischen einer Strafe und einer extern referenzierten Konsequenz des Scheiterns Ihrer New-Work-Zelle. Aus Scheitern kann man lernen. Aus Strafe nicht. Aus Strafe kann man nur lernen, was der Chef von der Arbeit hält. Aber nicht, was sie wert ist. 

Das Wichtige ist die „Lernumgebung“. Sie können von Ihren Mitarbeitern nur erwarten, im Sinne der Wirtschaft einen Weg in die Zukunft zu finden, wenn es eine adäquate Lernumgebung gibt. Ihre Leute müssen ja lernen. Denn man kann heute nicht mehr davon ausgehen, dass sich eine Idee ohne den Umweg über den Irrtum in eine Innovation umsetzen lässt. Man wird scheitern. Noch einmal scheitern. Und noch einmal. Bis man schließlich erfolgreich ist. Vielleicht!

Diese Scheiterkette ist der Lernvorgang. Auf den kommt es an. Der tut weh. Der ist nicht lustig. Sondern ernst. Sie kennen das. Auch Sie haben irgendwann erleben müssen, dass Sie wohl umsonst an einem Projekt gearbeitet haben. Und haben Sie nicht viel später erkannt, dass es gar nicht umsonst war? Sondern? 

Wenn Sie Ihren Mitarbeitern diese mit Schmerzen verbundene Lernmöglichkeit nehmen, bleiben sie zurückgeworfen auf eine interne Referenz – auf Sie.

A woman in a blue shirt holding a fruit cake

„Gefällt ihnen das so, was ich gemacht habe, Chef?“

Hüten Sie sich also (zumindest an dieser Stelle) vor Verwöhnung Ihrer Leute. Am Ende verhindern Sie noch Innovation. Und Gelegenheit, Trost zu spenden gibt es reichlich. Es wird ja nicht weniger überraschend. 

Bis nächste Woche!

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Bildnachweis: istockphoto 96377407

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