Sorgen Sie für gutes Klima – fragen Sie!

14. Juni 2018 - Ralf Hildebrandt

Jedes zweite (größere) Unternehmen führt Mitarbeiterbefragungen (MABs) durch, werte Leserinnen und Leser. 

Das berichtet eine Studie. 97% der Führungskräfte diskutieren die Ergebnisse einer MAB regelmäßig. Daraus resultieren Entscheidungen, die in die strategische Unternehmensführung Eingang finden (so die Studie). Für 84% der Manager sind MABs damit ein wichtiges Management-Werkzeug. Auch im Sinne des Betriebsklimas. Sie zeigen das Interesse der Führung an der Meinung der Mitarbeiter. Und sie sind wichtiger als je zuvor. 

84% also. Fast alle. Was haben die übrigen 16% der Führungskräfte nicht verstanden? Warum stehen sie MABs kritisch gegenüber? Angst vor Feedback? 

Gehören Sie auch zu den 16%? Oder möglicherweise nur „offiziell“ zu den 84%? Lehnen Sie anonyme Befragungen ab, weil die Beteiligten sich hinter einem Fragebogen verstecken könnten und Sie dabei das Gefühl haben, Sie würden die Mitarbeiter entmündigen? Sie nähmen Ihnen die Gelegenheit, für ihre Meinung offen einzustehen? Während Sie sich einstweilen um die direkte Auseinandersetzung herummogeln? 

Vielleicht sagt Ihnen das Ihr Gefühl. Argumente sind das freilich nicht. Das ist Moral – eine Empfinden dafür, was eine integere Führungskraft von sich erwarten sollte. Aber kein Argument. Trotzdem ist das Gefühl nicht falsch. 

Abstimmungen oder auch Umfragen (via MAB) sind ein Instrument der Demokratie – jeder darf seine Meinung kundtun. Demokratie ist die leistungsfähigste Organisationsform der Politik. Für den ökonomischen Aspekt eines Unternehmens ist sie aber unbrauchbar. Sie delegiert Verantwortung an die Mehrheit. 

Wenn man Demokratie einführt, kann man einem Manager nichts mehr vorwerfen. Man kann nicht mehr behaupten, sie habe falsch gehandelt. Denn sie (er) kann immer anführen, genau das getan zu haben, was die Mehrheit wollte. Durch die Berufung auf die Mehrheit, entzieht sich eine Führungskraft (unbemerkt) die Lernumgebung. Die Chance, sich zu irren und daraus zu lernen. Intelligenz ist die Fähigkeit, Erwartungen zu erzeugen. Wird eine Erwartung enttäuscht, nennt man das Irrtum. Ein Irrtum ist der Anlass, neue (bessere) Erwartungen zu erzeugen, also zu lernen.

Auch Demokratie bildet Erwartungen; allerdings durch mehrheitliche Entscheidungen. Da die Erwartungen der Individuen aber unterschiedlich sind, kann ein Irrtum auch nur wieder demokratisch festgestellt werden. Deswegen wird jeder etwas Verschiedenes lernen. Die entscheidende Mehrheit aber kann nichts lernen – sie ist keine Person. Demokratie verblödet das Management. Zwangsläufig. 

Die Alternative zur Demokratie heißt Kompetenz. Man muss dort entscheiden, wo man über Kompetenz verfügt (das ist zumindest die Idee). Das kann alles Mögliche sein. Man darf nicht über Dinge mitentscheiden wollen, von welchen man nichts versteht.

In einer MAB macht es oft große Probleme, fachliche Kompetenz und die persönliche emotionale Lage auseinanderzuhalten (MAB Bogen 3, Frage 12: „Stehen Sie hinter der strategischen Ausrichtung unseres Unternehmens?“). Besonders wenn man so gar nicht mit dem einverstanden ist, worüber man da befragt wird, wird man Zorn und Kompetenz wohl kaum auseinanderhalten können. 

Mitarbeiterbefragungen sind ein gefährliches Instrument.

Bis übernächste Woche!

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