Termin-treu

14. November 2017 - Ralf Hildebrandt

Sind Sie schon einmal in ein neues Heim gezogen, werte Leserinnen und Leser?

Vielleicht haben Sie es ja demnächst vor. Bauen ist populär und die ausführenden Unternehmen haben viel zu tun. Wie steht es mit Ihrem Einzugstermin? Wie in Stein gemeißelt? Soso. Der wird also ganz locker von Architekt und Baufirma eingehalten. Geht das mit rechten Dingen zu? Da stimmt doch etwas nicht. Entweder die haben nichts zu tun. Sind nicht ausgelastet…

Oder… die haben sich einen Puffer eingebaut! Das kostet Sie was.

Aus Sicht Ihres treu dreinblickender Lieferanten (Ihres Hauses, Ihres Projektes) sieht die Sache etwas anders aus. Da fragt man sich, wie man am besten einen Termin setzt – ohne sich selbst zu sehr unter Zugzwang zu bringen. Zum einen will man den Auftraggeber mit fristgerechter Lieferung beeindrucken. Zum anderen muss man Dauerstress im Sinne von Qualität vermeiden. 

Wie setzt man sich vernünftige Termine? Man muss sich zunächst erst einmal darüber klar werden, worum es dabei geht.

Macht man sich terminlich selbst etwas vor, weil der Kunde etwas vorgemacht haben will? Ein Kunde ist oft besser dran, wenn man ihm etwas vormacht (das haben Sie nicht aus diesem Blog). Das ist konstruktiv und in seinem Interesse. Bekäme er die Realität gezeigt, würde er ein Magengeschwür bekommen. Ein Kunde kann so etwas wie einen Hausbau oder eine Softwareentwicklung kaum beurteilen. Und auf den Termin hätte er ohnehin keinen Einfluss. 

Oder geht es etwa darum, dass man sich selbst gerne perfekte Termine setzen würde? Damit der (selbstgemachte) Stress endlich ein Ende hat? Eine Art Termin-Standard? 

Totale Termintreue kann man nur erzielen, wenn alles trivial ist – blau. Ohne eine einzige Überraschung. Zu 100% durchschaubar und klar. Dann kann man Termine immer halten. Sobald aber ein wenig Leben in die Bude kommt (Rotes, Komplexes), ist jede Terminsetzung immer mit einem Risiko verbunden. Es könnte etwas geschehen, was den Termin platzen lässt. Es könnte auch sein, dass man früher fertig wird. 

Ob man Termine halten kann oder nicht, hängt davon ab, wie groß der rote Anteil eines Vorhabens ist.

Den roten Anteil bekommt man nicht los. Den Stress, den ein gesetzter Termin oder ein Ziel bedeuten, bekommt man deshalb auch nicht los. Er wird höchstens kleiner. Aber er geht nicht flöten. Was ein Projekt ausmacht, ist der Stress. Wenn er weg wäre, bräuchte es auch kein Projekt.

Jeder möchte es sich gerne etwas gemütlicher einrichten. Selbstverständlich. Was man vermeiden muss, ist unnötiger Stress. Etwa, wenn man schlecht geplant hat, weil im standardisierten Bereich die Standards (= Ignoranz von Bewährtem) fehlen. Diese Art von Stress führt zu Frust. Der übrig gebliebene Stress ist der Stress, der ein Team (im Unterschied zur Arbeitsgruppe) gerade ausmacht. Das ist der Rote-Bäckchen-Stress, der entsteht, wenn man ein Projekt bis zum Ende gemeinsam durchsteht. Den bekommt man nicht weg. Den erzeugt die Umgebung.

Und den kann nicht jeder aushalten. schon gar nicht am laufenden Band. Mit einer Überraschung fertig zu werden, ist immer Stress. Stress im Sinne dessen, dass man an die Grenze von dem gehen muss, was man kann. Und ab und zu reicht das nicht aus. Dann platzt der Termin. Aber der nächste vielleicht schon nicht mehr.

Gäbe man sich das Ziel, Stress ganz abzuschaffen, könnte man sich auch gleich abschaffen. Roboten können Maschinen besser. Die werden auch nicht müde.

Neulich ging ein Fußballspieler zu seinem Trainer und meinte, der Stress beim Spiel ginge ihm jetzt aber auf die Nerven. Man wisse vorher einfach nicht, ob man heute gewinnt oder verliert. Schlimmer noch, er wisse selbst noch nicht einmal, wann er gut oder schlecht drauf wäre. Und das ginge ihm besonders auf die Nerven. Das müsse jetzt ein Ende haben. Man sollte das Spiel nun endlich einmal vernünftig durchplanen. 

Der Trainer nahm sich etwas Zeit. Denn er war der Meinung, irgendetwas sehr Wichtiges habe der Spieler noch nicht so ganz verstanden. 

Bis übernächste Woche!

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