Timmermanns erreicht seine Grenzen

10. August 2018 - Ralf Hildebrandt

Wenn in diesem Blog von Führung die Rede ist, werte Leserinnen und Leser, dann wird sie meist von Steuerung (Anweisung) unterschieden. Management besteht immer aus beidem. Je nachdem, was gebraucht wird. Bzw. je nachdem, welche Begabung des Managers in einer gegebenen Situation vornehmlich zur Verfügung steht. 

Führung ist eine passive Fähigkeit (ein Talent), die man sich bei der Arbeit einhandelt. Das heißt: irgendwann findet sich ein Führungstalent im Kreis einiger „Follower“ wieder (nicht die von Facebook), die einfach gerne mitarbeiten, wenn man etwas anpackt. Das können zwei sein, fünf oder ein Dutzend. Mancher handelt sich eine größere Abteilung ein. Oder auch ein Unternehmen. Ganz ohne klassisches Recruiting. Man löst „einfach“ ein Problem (Auftrag) nach dem anderen. Und das scheint sich herumzusprechen: schon wieder ist jemand Neues hinzu gestoßen.  

Manchmal lacht man sich einen Follower an, von welchem man zunächst genauso begeistert ist, wie von den anderen auch. Aber nach einer Zeit stellt sich heraus…. irgendwie passt es nicht. Man ist freundlich zueinander und jeder gibt sich Mühe. Aber eben… irgendwie passt es nicht. Man will es gar nicht wahrhaben und schon wieder ist ein halbes Jahr vergangen und irgendwie…. es passt noch immer nicht.

Das ist neu. Dass jemand nicht „passt“. Vielleicht muss man einfach noch ein wenig abwarten? Es wird sich schon zurechtrütteln! Zu früh will man die Flinte auch nicht werfen. Aber irgendwie…

Was da nicht passt, ist nicht die Person; also der Mensch mit einem bestimmten Skillprofil*. Sondern die Resonanz zwischen Personen. Mit der Person und ihrem Charakter hat das nichts zu tun. Woanders passt man prima. Es kommt einfach keine Resonanz im Sinne eines Vertrauensvorschusses zustande. Die Chemie stimmt nicht. Und wenn sich das mit einer Prise gut gemeinter Geduld einfrisst, geht die Spirale nur noch abwärts. Schließlich ist die Kommunikation von so geringer Qualität, dass es kaum noch für die Arbeit reicht. Man stottert zusammen vor einander herum und irgendwann ist nur noch Smalltalk möglich. In der Hitze des Gefechts ist das freilich gar nicht so einfach zu erkennen. Man gibt sich schließlich alle Mühe. Eine schwierige Situation für ein Führungstalent. Vor allem, wenn es das erste Mal damit konfrontiert wird. 

So ist es auch Herrn Timmermanns (Name von der Redaktion geändert) ergangen. Man kann ihm nicht vorwerfen, er hätte es nicht probiert. Vielleicht hat er es sogar zu lange versucht. Aber er konnte die Kollegin, mit der er so viele Hoffnungen verbunden hatte, einfach nicht integrieren. Da konnte er sich strecken wie er wollte. 

Was ihm (zumindest bis vor kurzem) nicht bewusst war:

  • Jedes Führungstalent hat eine individuelle kommunikative Reichweite. 
  • Jedes Führungstalent hat eine kommunikative Grenze.

Reichweite steht für die Zahl von Menschen, die jemand integrieren kann (bei Steve Jobs waren das wohl Tausende).
Grenze steht dafür, ob es mit einer einzelnen Person gelingen kann, eine Kommunikation (ein Sozialsystem) hoher Qualität aufzubauen. 

Was gelingt und wie gut, kann niemand vorher wissen. Ob man gemeinsam Pferde oder nur Ponys stehlen kann, stellt sich immer nur konkret heraus. Wenn jemand hier nicht passt, dann eben woanders und dafür umso besser.

Man muss nur wissen, dass es solche Grenzen gibt. Timmermanns weiß jetzt, dass auch er Grenzen hat. Das hatte er vielleicht schon vermutet. So ist es nicht. Aber nun weiß er auch, wie sich das anfühlt. Und wenn er das nächste Mal vor einer ähnlichen Situation steht, kann er die Tatsache, dass es sich vielleicht um ein Grenzproblem handeln könnte, mit in den Horizont nehmen. 

Bis übernächste Woche!

*das gibt es zwar auch, ist aber vergleichsweise einfach in gegenseitigem Einverständnis zu lösen – vor allem geht es schnell

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