Wie schafft man Zukunft?

8. März 2015 - Ralf Hildebrandt

Wie schafft man Zukunft? Eine falsche Frage. Weder die formale Organisation des Alltags noch Machtspiele schaffen Zukunft. Intelligente (vorgedachte) Veränderung von Struktur kann auch keine Zukunft schaffen. Da kann man sich noch so anstrengen.

Erwischt

Wenn „Change Management“ also nur noch in trägem Umfeld funktioniert – was ist dann die Alternative?
Man kann sich nur experimentierend im Rahmen der richtigen Lernumgebung, zum Beispiel dem Markt, in die Zukunft bewegen. Zukunft wird in der Gegenwart gemacht. Durch handelnde Personen.

Pläne sind ok und als Kommunikationsmittel sogar wichtig. Aber sie treffen nie ein – bei hoher Dynamik zumindest. Der Kern von Höchstleistung im 21. Jahrhundert ist: Individualität, Ideen, Ausprobieren, Irren, Lernen. Und das schnell. Immer wieder.

Das WISSEN wir – aber mit dem KÖNNEN ist es nicht weit her. Das gilt fast für alle von uns. Jahr für Jahr stabilisieren dieselben Rituale die bestehenden Sozialsysteme. Es könnte doch so einfach sein!

Die Strukturen sind das Problem
Wie ändert man die Strukturen? Wieder eine falsche Frage. Die Strukturen ändern sich. Aber man kann sie überlisten. Das klingt lustig, braucht aber ein ungeheures Maß an Professionalität und Qualität.
Und Qualität braucht Zeit. Meist mehr als der Kapitalmarkt (Quartalsberichte!) aushalten kann. Deshalb ist die Börse nicht schlecht. Sie ist wie sie ist. Hat aber ein seit Jahrzehnten mehr oder weniger gleiches Ziel: Rendite.

Das Industriemodell mit seinen (auch mental) linearen Fließbändern, Methoden und Kästchen bietet uns keine geeignete Denkgrundlage mehr. Mit dynamikrobuster Organisationsentwicklung ist eine Alternative bekannt. Sicher schon seit über 30 Jahren – als funktional orientierte Systemtheorie. Ein recht sperriges Ding. Im Prinzip einfach – aber genial. Und sehr ungewohnt. Sie kommt ohne Helden und Schuldige aus. Und vor allem nur sehr, sehr langsam durch Übung ins Gefühl zu bringen. Es dauert irre lang. Und man muss sich wieder daran gewöhnen, dass man mit dem eigenen Hirn etwas anfangen kann. Bullets allein reichen nicht mehr. Und die Versuchung für den nächsten Quick Fix ist groß! Irgendwas wird schon passieren.

Wir wandeln uns von der Ressourcenausnutzungsgesellschaft des 20. Jahrhunderts zu einer Potentialentwicklungsgesellschaft. Das passiert sowieso. Man kann daran partizipieren – oder nicht. Man kann auch den Gummibaum gießen – und Schmerzensgeld kassieren. Egal in welchem Unternehmen man steckt! Noch sind Menschen – und das in einer Dienstleistungsgesellschaft – im Balance Sheet allerdings Kosten und Skillprofile. Keine Namen als Hinweis auf Individualität weit und breit. Wir sind überhaupt nicht gewohnt, mit der Vielfalt der Individualität – sprich Talenten & Ideen – umzugehen. Noch denken wir in Rollen und vermessen statt zu bewerten. Es gibt Manager, Directors, Service Specialists… aber das sind nur Funktionen. Die Menschen haben Namen und nehmen oft Funktionen an, die nicht ins SAP-System passen.
Wo geschieht Business Development und Marketing heute wirklich? In der Zentrale? Was macht mancher Serviceingenieur heute (eigentlich)? Was macht mancher Verkäufer heute (eigentlich)? Auch Kunden werden noch vermessen (segmentiert). Es wird noch dauern. Die alten Strukturen sind zäh.

Also üben und dranbleiben – zum eigenen Besten. Denn nur das Gefühl „produziert“ die Ideen, die uns bei einer Überraschung weiterbringen. Auch daran muss man sich gewöhnen. Zum einen muss man eine Vermutung haben, wer eine Idee haben könnte. Und auch das ist wieder ein Gefühl. Zum anderen kann man eine Idee nicht haben wollen. Sie entsteht oder eben nicht. Ein akausales Ereignis im Bewusstsein. Und dann passiert das Ganze auch noch unsteuerbar in den dynamischen Randbereichen einer Organisation. Für einen Manager – zumindest für die meisten – eine neue Situation.

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Foto: Peter Röben, „Erwischt“ Some rights reservedwww.piqs.de

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