Wo anfangen?

29. September 2016 - Ralf Hildebrandt

„Sagen sie mal… wir kennen ihre Denkzettel und Videos und sind Fans vom Buch. Wo fängt man denn am besten mit dynamikrobuster Organisationsentwicklung an?“

Puzzled student scratching their head at the elementary school

Diese Frage begegnet uns immer wieder. Die Antwort ist einfach: da wo es besonders weh tut. Oder genauer:

Organisationsentwicklung ist immer die Lösung eines Problems

Der Begriff „Problem“ sorgt in unserer Praxis immer wieder für mehr oder weniger kontroverse Diskussionen. Es sei doch nicht alles gleich ein Problem, was man so anpacke. Es mache doch auch Spaß, wenn man etwas von der Platte bekäme. 

Das stimmt natürlich, werte Leser. Wir haben mit der Zeit ganz vergessen, dass „Problem“ im alltäglichen Sprachgebrauch negativ konnotiert ist. Man hat schließlich keine Probleme, sondern stellt sich den Herausforderungen, nicht wahr? Begriffe benutzen wir allerdings moral-desinfiziert. Ohne Wertung – kein gut – kein böse. Wir brauchen es präzise, um unterscheiden zu können. Um im Beispiel zu bleiben: es ist ein wesentlicher Unterschied, ob man ein Problem oder eine Aufgabe vor sich hat. Denn hier trennen sich die Wege zwischen klassischer und moderner Organisationsentwicklung. 

Eine Aufgabe kommt vom Chef. Der gibt bei erfolgreicher Bewältigung ein Lob. Gemessen wird mit KPIs oder auch in Ampelfarben, wenn es fix gehen soll. Der Chef freut sich über viel Grünes. 

Ein Problem kommt immer vom Markt – es muss beseitigt werden. Man erkennt ein Problem an seiner nachteiligen Wirkung in Bezug auf den Unternehmenszweck – dem konkurrenzfähigen Gewinn. Auch in den abgelegensten Bereichen eines Konzerns gelingt es meist mit einer einfachen Rechnung (und der beratenden Hilfe eines Controllers!) über 2-3 Stufen eine Verbindung zum Gewinn zu schaffen. Meist traut man sich nur nicht. 

Ob ein Problem gelöst ist, erkennt man daran, dass es nach erfolgreicher Lösung verschwunden ist. Hat man das Problem genau genug verstanden und eine entsprechende Beschreibung (!) angefertigt, ist man der Lösung meist schon ein ganzes Stück näher.  Man hat sich von der Beschreibung Richtung Transformation bewegt. 

Wir haben die Vermutung, dass zu oft viel zu schnell in Richtung Lösung gesprungen wird. Über Lösungen zu diskutieren scheint leichter zu fallen (s.o.).

Aller Popularität zum Trotz: fragen Sie sich (oder Ihre Kollegin) ruhig öfter einmal, ob Sie das Problem denn schon richtig verstanden haben. Schließlich hält es ja nicht still. Ach ja – und schreiben Sie auch ruhig einmal auf, was der Fall ist (keine Bullets!).

Bis nächste Woche!

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