Zusammenrottung! (Oder ich verblöde)

18. Mai 2018 - Ralf Hildebrandt

Es gibt Chefinnen und Chefs, werte Leserinnen und Leser, die gibt´s gar nicht.

Die machen sich ernsthaft Sorgen, wenn niemand mehr widerspricht! Dabei sollte man doch gerade das Gegenteil annehmen, oder? Klare Ansage machen und mit gemeinsamer Schlagkraft nach vorn. Keine Debatten. Machen. Eigentlich ist das doch ein Träumchen, wenn fortwährende Zustimmung den Karriereweg säumt. 

Und dann gibt es eben auch das Gegenteil. Führungskräfte, die ganz unrund werden, wenn es keinen Widerstand mehr gibt. Da melden sich merkwürdige Bedenken: „Irgendetwas stimmt nicht. Meine Leute geben mir immer recht. Früher waren wir ein Streithaufen. Es gab nichts, worüber man nicht streiten wollte oder konnte und musste… und jetzt… es ist zu ruhig – was ist da los?“ 

Das, was da los, bzw. abhanden gekommen ist, ist die „Widerständigkeit“ der Geführten. Das hat nichts mit Widerspruch oder widerwärtig zu tun. Widerständigkeit ist eine strukturelle Kopplung. Eine Form von Kooperation und nicht etwa Konkurrenz. 

Im genannten Beispiel war es so, dass es einmal eine Zeit gab, da hatte die Chefin irgendeine Idee und die Mitarbeiter hatten sich gefragt, was das denn nun wieder soll: „Was hat sie sich denn da schon wieder ausgedacht? Das funktioniert doch nie!“ Dann hat man eine Weile gestritten und schließlich etwas ausprobiert. Und es hatte sich herausgestellt, dass es doch eine gute Idee war. So war es dann auch mit dem nächsten Einfall. Und wieder. Und wieder. Die Chefin hatte einen Lauf. Irgendwann hatte man sich daran gewöhnt. Das lohnt sich nicht, mit ihr zu streiten – sie hat ja doch immer recht. Man hatte zwar noch leise Zweifel: „Hast du schon gehört, was sie sich wieder hat einfallen lassen?… Ob das der Weisheit letzter Schluss ist? Aber lass´ sie ´mal machen. Das wird schon.“ Es waren eben leise Zweifel.

Manche Führungskräfte merken (besser: spüren), dass es so nicht weitergehen kann. Zwar haben sie von „Widerständigkeit“ als Leistungselement noch nie etwas gehört. Spüren tun sie es aber trotzdem, wenn sie fehlt. Was sie da wahrnehmen ist, dass sie ohne die Widerständigkeit der Geführten verblöden. So würden sie das nicht bezeichnen. Aber darauf liefe es hinaus. Widerständigkeit ist das zur Verfügung stellen der Kompetenzen der Mitarbeiter für das Management.

Kollabiert die Widerständigkeit der Mitarbeiter, so hält das Management früher oder später jede seiner Ideen für genial*. So ein Zustand nennt sich Verblödung.

Paradoxerweise kann man sich Verblödung einhandeln, wenn man eine ganze Reihe von guten Ideen abliefert. Gegenargumente fallen dann schwer. In einem solchen Fall verliert der Einzelne immer und das wiederum spüren die Mitarbeiter. Irgendwann sitzt der Chef dann alleine da: die Widerständigkeit als strukturelles Leistungselement ist zusammengebrochen. Das Leben ist zu leicht geworden. 

Eine Empfehlung wäre nun, dass man sich in der Mitarbeiterschaft zu dritt eine Meinung bildet. Sich über etwas einigt und dann im Dreierpack mit einer Meinung wieder konstruktiven Gegenwind anbieten kann. Das ist das Prinzip der Zusammenrottung. Damit hat die Kompetenz der Belegschaft wieder eine Chance. Und die Chefin hat es endlich wieder schwer. Der  Laden könnte wieder funktionieren. 

Bis übernächste Woche!

*Kollabiert die Widerständigkeit des Managements, entsteht Beliebigkeit – oft geschönt als Freiheit.

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