Know-how sichern mit KI

14. September 2022 - Ralf Hildebrandt

Liebe Leserinnen, werte Leser,

wenn die Generation der Babyboomer (die heute in etwa +/- 60-Jährigen) jobmäßig die Segel streicht, geht mit Ihnen jede Menge Know-how in den Ruhestand. Das war zwar schon immer so, dass sich Know-how irgendwann in den Ruhestand verabschiedete. Es war dann aber nicht so viel Know-how auf einmal, welches da verloren ging – die Boomer stellen in etwa 20-25% der aktuellen „Workforce“. Und obendrein mangelt es derzeit an fachkräftigem Nachschub – eine brenzlige Situation. Da hilft nur eins – es muss eine Lösung her, die das Know-how der Boomer sichert, wenn deren wertvoller Erfahrungsschatz den Unternehmen in den nächsten Jahren nicht verloren gehen soll.

Vielleicht lässt sich mit künstlicher Intelligenz (KI) etwas machen. Die hilft bei Vielem, vielleicht also auch hier. Zumindest wird damit gerade experimentiert. Man hat nämlich beobachtet (noch ohne KI), dass insbesondere im Falle des Eintretens unvorhergesehener Ereignisse gerade die erfahrenen Beschäftigten (oft Boomer) passende ad-hoc Lösungen parat haben. Anders als Neulinge scheinen sie einen siebten Sinn für solche Probleme zu haben und greifen oft schon frühzeitig in Produktionsprozesse ein, bevor größerer Schaden entstehen kann. Man kann sich ausrechnen was das die Betriebe kosten würde, wenn man den Laden nur den Neulingen überlassen würde.

Jetzt kann man natürlich nicht Millionen von berufstätigen Vorruheständlern einen oder mehrere Neulinge zur Seite stellen, um den Schatz Boomer für Boomer auf Neuling für Neuling zu übertragen. Man schließlich anderes zu tun und außerdem gibt’s von den Neulingen ja ohnehin viel zu wenige. KI sollte da doch effizientere Lösungen bieten können – Stichwort maschinelles Lernen.          

Daran wird geforscht und jetzt muss man erstmal abwarten, was die Forschungsergebnisse bringen werden. Wahrscheinlich wird man sich schon überlegt haben, ob man den Wissensschatz (siehe Bild) sichern möchte, oder es doch eher auf den Könnensschatz ankommt. Denn im Falle des Eintretens unvorhergesehener Ereignisse (Überraschungen) kann es schließlich noch kein Wissen geben und damit auch keinen Schatz.

Es sei denn, die KI macht’s möglich. Sie müsste lernen (maschinell und superschnell), was Überraschendes kommt und wenn sie das dann weiß, gibt es mit Überraschungen keine Probleme mehr und damit würde auch Können nicht mehr gebraucht. Das wäre von Vorteil, denn Können klebt am Könner und die Ablösung (vom Könner) ist bislang nicht gelungen. Vor allem, weil Können immer nur gleichzeitig mit einem zu lösenden Problem aufgetreten ist, sonst wurde es ja nicht gebraucht. Man müsste dann schon sämtliche zum Können aufgetretenen Probleme mit in die Wissenskiste packen und welches Unternehmen sammelt schon gern Probleme.

Wenn es gelingt den Schatz zu sichern, könnten Unternehmen und Neulinge statt auf Boomer auf die Assistenz der KI vertrauen – die wird dann dabei helfen, auf die passenden Ideen zu  kommen, oder sie kommt gleich selbst drauf. Daran wird noch geforscht. Bisher hatte sich KI ziemlich ideenlos gezeigt. Weil Ideen nur unter der Voraussetzung problemlösender Gefühle entstehen und Gefühle Zustände des (menschlichen) Körpers sind und Maschinen sowas nicht haben. Aber mal sehen – vielleicht klappt es ja (diesmal*). 

Bis übernächste Woche!

 

 

 

 

 

 

* Wenn Ihnen das alles irgendwie bekannt vorkommt, gehören Sie vielleicht zu den Babyboomern. So etwas Ähnliches gab es schon einmal, vor etwa 25 Jahren. Das hieß damals Wissensmanagement, der Schlachtruf war „wenn Siemens wüsste, was Siemens weiß“ (oder Daimler). Wissensmanagement ist damals nach großen Anstrengungen sang- und klanglos von der Bildfläche verschwunden. Aber wie gesagt, vielleicht klappt es ja diesmal.

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