Terminstress

2. Oktober 2026 - Ralf Hildebrandt

Liebe Leserinnen, werte Leser,

wie setzt man (sich) vernünftige Termine? Ambitioniert, um sicherzugehen, dass sich die, die den Termin erfüllen sollen, auch ordentlich Mühe geben? Oder lieber mit Luft nach oben, um Terminstress zu vermeiden? Oder ist die Frage „wie“ man sich Termine setzen soll, eine falsche Frage?

Zunächst einmal muss man sich darüber im Klaren sein, dass sich totale Termintreue nur in trivialer, praktisch überraschungsfreier Umgebung erreichen lässt. Sobald nur ein wenig Leben (Komplexität) in die Sache kommt, ist jede Terminsetzung mit einem Risiko verbunden: Es könnte etwas geschehen, was den Termin platzen lässt. Genauso gut wäre es auch möglich, dass man früher fertig wird. Das heißt:

Ob man Termine halten kann oder nicht, hängt davon ab, wie groß der komplexe (überraschende) Anteil eines Vorhabens (Problems) ist.

Komplexität wird man nicht los. Und deshalb bekommt man den Stress, den ein gesetzter Termin oder ein gesetztes Ziel bedeutet, auch nicht los. Er wird höchstens kleiner, aber er verschwindet nicht. Oder umgekehrt:

Was ein Projekt ausmacht, ist der Stress.

Ohne diesen Stress (Eustress, positiver Stress) gäbe es auch kein Projekt. Was man vermeiden muss, ist unnötiger, selbstgemachter Stress (Disstress, negativer Stress). Etwa, weil man den planbaren, überraschungsfreien Projektanteil schlecht oder womöglich gar nicht geplant hat, oder bewährte Prozesse ignoriert werden, um das Rad lieber neu zu erfinden. Räder neu zu erfinden verschwendet wertvolle Kreativität, die dann zur Bearbeitung des komplexen Anteils fehlt – negativer Stress. Positiver Stress hingegen ist „Roter-Bäckchen-Stress“. Der entsteht, wenn man im Umgang mit unerwarteten Problemen bis an seine Grenzen geht, um alle Nüsse zu knacken, die ein Projekt so mit sich bringt. 

Manchmal reicht selbst Grenzleistung nicht aus, dann platzt der Termin. Der nächste dann vielleicht schon nicht mehr, man hat schließlich dazugelernt und kennt nun seine Grenzen besser. Kurzum: Positiver Stress gehört zu jedem Projekt dazu. Gäbe man sich das Ziel Stress ganz abzuschaffen, könnte man sich selbst gleich mit abschaffen. Stressfrei arbeiten können Maschinen besser. Ich merke es mir so:

  • Selbstgemachter Stress führt zu Frust und roten Köpfen.
  • Projektgemachter Stress führt zu Erfolg und roten Bäckchen,

jedenfalls meistens.

Bis übernächste Woche!

 

 

 

 

 

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