Vom Haben einer Idee
28. August 2026 - Ralf Hildebrandt
Liebe Leserinnen, werte Leser,
im allgemeinen Sprachgebrauch versteht man unter einer Idee einen Gedanken, nach dem man handeln, oder ein Leitbild, an dem man sich orientieren kann (siehe Wikipedia). Moderne Organisationsentwicklung fasst es etwas enger:
Eine Idee ist ein Gedanke, der sich auf die Lösung eines Problems bezieht.
Eine Idee zu haben ist üblicherweise positiv konnotiert. Ideen sind toll – verständlich, denn ohne Ideen bleiben Probleme ungelöst, was Schaden verursacht (gemeint sind natürlich nur Probleme, die sich nicht mit Wissen lösen lassen, sonst bräuchte es ja keine Idee). Es gibt aber noch einen anderen Aspekt, der vor lauter positivem Ideen-Image gerne übersehen wird:
Ideen können auch riskant sein, jedenfalls solche, die man nicht für sich behalten will oder kann.
Zum Beispiel, weil sich das Problem nur gemeinsam mit anderen lösen lässt. Irgendwann, vielleicht nicht unbedingt sofort, sondern nach reiflicher Überlegung („interner“ Qualitätsprüfung) wird man mit seiner Idee herausrücken, und sie in die Kommunikation einbringen wollen. Denn allein mit dem vom eigenen Hirn zur Verfügung gestellten Denkhorizont lässt sich nur schwer beurteilen, ob das, was man da als Idee produziert hat, auch etwas taugt. Und bevor man sich gleich ans Ausprobieren macht, empfiehlt es sich im Allgemeinen – in Unternehmen sowieso –, die Qualität der eigenen Idee „extern“ kommunikativ zu überprüfen.
Ob man sich traut, seine Idee dann auch kundzutun, oder ob man sie doch lieber für sich behält, hängt davon ab, welches Risiko man dabei eingeht:
- In einer ideen- und innovationsfeindlichen (dynamikempfindlichen) Umgebung wird man seine Idee(n) wohl für sich behalten, weil Ideen, die nichts taugen, soziales Ansehen reduzieren („hat der Spinner wieder einmal eine Idee gehabt“).
- In ideenfreundlichen Umgebungen hingegen kann das nicht passieren, weil jede(r) weiß, dass sie oder er beim Äußern einer Idee das gleiche Risiko eingeht.
Ideenfreundliche Umgebungen nennen wir Team- oder teamähnliche Strukturen.

Abbildung: Ideenfreundlich vorgespannte Erdmännchen.
Sie zeichnen sich dadurch aus, dass man als Teil einer solchen Struktur eben genau diese Erfahrung machen kann, dass man ohne Risiko auch mal richtigen Mist verzapfen kann. Oder umgekehrt, dass man die vermeintlichen Ideen anderer als Mist bezeichnen kann (natürlich nur, wenn es dafür Argumente gibt). Die Kommunikation läuft trotzdem weiter, ohne Schaden, bis die richtige Idee gefunden ist. Und wenn die dann gefunden ist, weiß keiner mehr, wer genau sie denn nun hatte. Oder kurz und knapp:
Team- oder teamähnliche Kommunikation neutralisiert das Risiko, Ideen zur Verfügung zu stellen.
Ideenfreundliche Kommunikation kann man nicht „machen“, sie wird „gestiftet“. Menschen, die fürs Stiften ideenfreundlicher Kommunikation Talent haben, nennen wir Führungskräfte.
Bis übernächste Woche!
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