Was ist eigentlich… Höchstleistung?

13. Februar 2026 - Ralf Hildebrandt

Liebe Leserinnen, werte Leser,

wenn Gerhard Wohland von Unternehmen spricht, deren innere Komplexität zur äußeren ihres Marktes passt, spricht er von Höchstleistungsorganisation. Damit ist nicht eine maximal mögliche Leistung gemeint, ein Superlativ, sondern eine im Sinne von Ashbys Gesetz optimale Leistung, ein relativer Superlativ.

Höchstleistung bedeutet also nicht, sich mächtig anzustrengen (die Extrameile), sondern dass die Komplexität einer Organisation und die ihrer Marktumgebung ähnlich hoch sind: 

  • Ist die innere Komplexität zu klein, rutscht das Unternehmen in die Überlastung,
  • wird sie zu groß, ist das Verschwendung.

Zwei Beispiele:

Um 1900 beschrieb Frederick Winslow Taylor die Grundlagen der Höchstleistung des vergangenen Jahrhunderts, beziehungsweise die Transformation der damals dominierenden Organisationsform der Manufaktur in moderne gesteuerte Industrieunternehmen (Taylorismus). Ziel war eine von individuellem Talent unabhängige Massenfertigung für die damals neu entstandenen leeren (trägen) Massenmärkte. Basis seiner Überlegungen war die so genannte „wissenschaftliche Betriebsführung“ (aus der die BWL hervorgegangen ist). Nicht mehr die Könner in der Manufaktur, sondern die Wissenschaft bestimmte, wie optimal gearbeitet wird. Die Werker führten die Arbeit dann auf Basis präziser Anweisungen aus, ohne sich in die wissenschaftlich erzeugten Prozesse einzumischen. Kurzum: Der talentorientierte (lebendige) Anteil der Wertschöpfung wurde auf ein nicht vermeidbares Minimum reduziert. Betriebswirt- beziehungsweise wissenschaftliche Arbeitsorganisation wurde so zur bis dahin erfolgreichsten in der Geschichte der Wirtschaft.

Beispiel zwei:

Um 2000 beschrieb Gerhard Wohland, dass sich heutige Höchstleistung in globaler Dynamik bewähren muss. Sie muss robust sein für Überraschungen. Das einzige Mittel mit Überraschungen umzugehen sind Ideen. Ein wissenschaftlich optimierter tayloristischer Wertschöpfungsprozess kann Ideen weder produzieren noch aushalten. Das können nur Menschen, die mit ihren Talenten zum Problem passen. Die Erkenntnisse industrieller Fertigung sind deshalb nicht von gestern und schon gar nicht obsolet, sondern nur eben nicht mehr Höchstleistung:

Höchstleistung heute ist nicht nur industriell geprägte, oder klassisch betriebswirtschaftliche, sondern auch dynamikrobuste Wertschöpfung.

Moderne Unternehmen können also nicht mehr nur einem Prinzip folgen, sondern es muss gelingen, zwei komplett unterschiedliche Prinzipien in einer konstruktiven Koexistenz zu halten, ohne sie zu mischen oder zu verwechseln (Wohlandismus)*.

Bis übernächste Woche!

 

 

 

 

* „Wohlandismus“ mag er gar nicht, aber was soll er ohne Zugriff auf diesen Blog schon machen, 😉

Creative Commons Lizenzvertrag   

Der Inhalt des Posts ist lizenziert CC-BY-NC-ND. Er kann gerne jederzeit unter Namensnennung und Link zu nicht-kommerziellen Zwecken genutzt werden. Foto von Thomas Tucker auf Unsplash