Wofür arbeiten?

30. Januar 2026 - Ralf Hildebrandt

Werte Leserinnen, liebe Leser, 

ökonomisch gesehen handelt es sich bei Arbeit um eine menschliche Tätigkeit, mit dem Grund, oder der Ambition, das Arbeitsergebnis zu tauschen. Man könnte auch sagen, Arbeit ist geronnene Lebenszeit. Und wofür arbeitet man?

Moderne Organisationsentwicklung unterscheidet den tayloristisch geprägten „klassischen“ Arbeitsbegriff, und einen zur Dynamik moderner Märkte passenderen, post-tayloristischen, dynamikrobusten Begriff, der heute in vielen Fällen nützlicher ist. Der Klassiker zuerst:   

Der tayloristisch geprägte Arbeitsbegriff des vergangenen Jahrhunderts geht davon aus, dass Menschen arbeiten, um eine Existenzgrundlage zu haben.

Eine Arbeiterin arbeitet, um sich ihren Lebensunterhalt zu verdienen, das ist ihr Interesse (ihre objektiv gegebene Lebensnotwendigkeit, weil sie weder geerbt, noch im Lotto gewonnen hat). Ihr Bedürfnis ist, diese Arbeit mit möglichst geringem Aufwand zu betreiben, schließlich arbeitet sie nicht für sich, sondern für ihren Arbeitgeber. Sie tut, was man ihr sagt, nicht weniger, aber auch nicht mehr. Arbeit erzeugt bei ihr kaum oder keine positiven Gefühle, sie muss zur Arbeit motiviert werden. Motivierung ist, siehe Beitrag von vor zwei Wochen, Handlungsanlass von außen und ein Tauschgeschäft: Als Ausgleich für ihre Lebenszeit und dafür dass sie will, was ihr Manager/ihr Unternehmen von ihr wollen, bekommt sie ein Gehalt. Wenn nur durchschnittliche Arbeitsergebnisse benötigt werden, weil auch andere nur Durchschnitt bieten, reicht das. 

Wenn nur Durchschnitt aber nicht mehr reicht, weil andere mehr leisten, muss die Arbeit so gestaltet sein, dass die Mitarbeiterin nicht nur tut, was man ihr sagt, sondern tut, was sie kann. Was sie kann, ihr Können, beziehungsweise ihre Fähigkeit in noch unverstandenen Problemsituationen problemlösend zu handeln (für die auch ihr Management, weil unverstanden, keine Lösung haben kann), bekommt man von ihr nur, wenn sie bei der Arbeit nicht nur die Interessen ihres Unternehmens, sondern auch ihre eigenen Interessen verfolgen kann. Und das bedeutet wiederum, ihr auf Basis ihrer individuellen Talente Gelegenheit zur Leistung zu geben, indem sie es mit Problemen zu tun bekommt, die zu ihr passen:

  • Denn zum einen entsteht das von ihrem Unternehmen dringend benötigte Können durch Üben auf Basis von Talent, weshalb talentorientierte Arbeitsgestaltung im Interesse ihres Unternehmens liegt.
  • Und zum anderen liegt es im Interesse der Mitarbeiterin ihr Können zu entwickeln, denn was nur sie kann, macht sie aus. 

Ein moderner und zur Realität moderner Unternehmen passenderer Arbeitsbegriff wäre also, dass Menschen nicht nur arbeiten, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten, sondern auch, und je nachdem, und vielleicht sogar vor allem, weil ihnen auf Basis ihrer Talente Gelegenheit gegeben wird, Herausragendes zu leisten.

Schöner Nebeneffekt: Motivierung und Kontrolle kann man sich dann sparen.

Bis übernächste Woche!

 

 

 

 

 

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