Motivationiert ins neue Jahr

16. Januar 2026 - Ralf Hildebrandt

Werte Leserinnen, liebe Leser, 

korrekt geschrieben hätte die Überschrift des heutigen Beitrags natürlich „Motiviert ins neue Jahr“ lauten müssen. Ich habe das sperrige „motivationiert“ gewählt, um Ihre Aufmerksamkeit auf die Unterscheidung von Motivation und Motivierung zu lenken:

Motivierung ist Handlungsanlass von außen (extrinsisch).

Motivierung ist ein Tauschgeschäft. Sie bekommen etwas dafür, wenn Sie dieses oder jenes tun (oder lassen), beziehungsweise Schwierigkeiten, wenn Sie es nicht tun.

Motivation kommt von innen (ist intrinsisch).

Motivation muss Ihnen niemand geben, Motivation besitzen Sie ohne fremdes Zutun.

Was von beidem Sie für einen motivierten Jahresstart brauchen, hängt von Ihrer Situation ab:

  • Wenn Sie Aufgaben zu erledigen haben, deren Bearbeitung vor allem Disziplin und Fleiß erfordert, wie zum Beispiel das Anfertigen eines Statusberichts für Ihre Managerin, oder die Abgabe Ihrer Steuererklärung, dann müssen Sie sich motivieren, oder motiviert werden. Zur Arbeit am Statusbericht werden Sie durch Ihr Gehalt motiviert (per Arbeitsvertrag), zur Abgabe der Steuererklärung durch die Aussicht auf Haftverschonung (per Gesetz).
  • Wenn Sie hingegen ein Problem zu lösen haben, dessen Bearbeitung vor allem Ihre Kreativität und Initiative erfordert (und nicht nur Disziplin und Fleiß), dann muss Sie niemand motivieren, dann sind Sie motiviert (oder eben motivationiert).

An Motivierung verschwenden Sie dann keinen Gedanken, weil das Problem Ihr individuelles Talent und Können voll in Anspruch nimmt (voll in Anspruch bedeutet in etwa 2,5 bis 3 Stunden konzentrierter Arbeit pro Tag maximal, weil mehr nicht geht. Jedenfalls nicht bei mir, was unter anderem genügend Zeit für die Steuererklärung lässt). Das zu bearbeitende Problem kann das eines/Ihres Unternehmens sein, zum Beispiel das eines Kunden, oder eines, das Sie sich selbst gesucht haben, oder welches Sie gefunden hat. Toll anfühlen muss sich motivationiertes Arbeiten nicht, ganz im Gegenteil. Eigenes Können in Gebrauch zu nehmen strengt an, weil Probleme, die Ideen brauchen, viel mehr Energie kosten als solche, für deren Lösung Wissen und Motivierung ausreichen.

Und das ist das Merkwürdige an Motivation: Es gibt sie zwar ohne fremdes Zutun, aber nicht umsonst. Um sie freizusetzen, muss man sich und seinen Schweinehund erst einmal überwinden, und zwar jeden Tag aufs Neue.

Wer mit der Arbeit wartet, bis er motiviert ist, hat schon verloren. Am besten man fängt „einfach“ damit an und lässt sich überraschen, wenn sie um die Ecke kommt. Wenn das Problem zu Ihnen passt, dann kommt sie auch, jeden Tag aufs Neue.

Bis übernächste Woche!

 

 

 

 

 

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