Zwei Typen von Meetings
27. März 2026 - Ralf Hildebrandt
Liebe Leserinnen, werte Leser,
Meetings sind Arbeitswerkzeuge, die gepflegt und in einwandfreiem Zustand gehalten werden müssen (was natürlich nicht bedeutet, dass man sich bei der Arbeit nicht einfach auch der Nestwärme wegen zusammensetzen kann und sollte). Mit Arbeitswerkzeugen gearbeitet wird, um Probleme zu lösen, oder um die Voraussetzungen zu schaffen, damit das Lösen von Problemen auch in Zukunft möglich ist. In diesem Sinne „lösungsorientiert“ lassen sich 2 Typen von Meetings unterscheiden:
Typ 1: Meetings, um Lösungen zu er-arbeiten.
Typ 2: Meetings, um Lösungen zu be-arbeiten.
Zuerst Typ 1, dann 2:
Um eine Lösung gemeinsam mit anderen zu erarbeiten, brauchen Sie ein Team.
Also eine Gruppe von Menschen, die ein Problem teilt. Eine Lösung zusammen mit anderen zu erarbeiten, bedeutet nicht eine bekannte Lösung umzusetzen, sondern etwas Neues zu schaffen. Und neue oder innovative Lösungen sind, von Zufällen einmal abgesehen, immer nur als letztes Glied einer langen Kette von Irrtümern zu haben, die nicht nur intellektuell verarbeitet, sondern auch, weil enttäuschend, emotional verdaut werden müssen. Das bedeutet, dass man sich fürs Erarbeiten von Lösungen sehr gut kennen muss, nicht nur formal und mit Verstand, sondern auch gefühlsmäßig: „Kann ich das Argument noch einbringen (Verstand), oder rastet sie jetzt gleich aus (Gefühl)?“, „Hat er meine Idee verstanden (Verstand), oder nickt er nur, weil er müde ist (Gefühl)?“, „Sollen wir das benötigte Budget noch diese Woche beantragen (Verstand), oder fehlt uns dazu gerade der Mut (Gefühl)?“, und so weiter. Sich so gut zu kennen, ist bei einer Gruppe größer fünf nicht möglich (Faustregel). Würde man zu einem Meeting vom Typ 1 also vorsorglich jeden einladen, der etwas beizutragen haben könnte, oder wissen sollte („Frau Heilmann vom Stab muss unbedingt dabei sein“), wird man nichts erarbeiten können, weil ein Dutzend Teilnehmer kein Team sind.
Typ 2:
Um eine Lösung in einem Meeting zu bearbeiten, brauchen Sie eine erarbeitete Lösung und die Widerständigkeit kompetenter Leute.
Also kein Team, weil die Lösung ja schon erarbeitet ist, sondern eine Gruppe von Menschen, die bezüglich Ihrer Lösung (Ihres Teams) zu kompetenter Kritik fähig sind.

Links Team (eine fehlt, krank), rechts Gruppe (kompetenter Kritiker)
Zweck des Meetings ist, die Qualität Ihrer Lösung zu steigern. Dafür stellen Sie die Lösung vor: „Schaut her, was wir geschafft haben. Ich stelle euch unsere Arbeit zur Verfügung, jeder möge sich bitte im Rahmen seiner Kompetenz damit befassen. Und wenn jemand der Meinung ist, etwas beitragen zu können, dann möchte sie mir das bitte mitteilen.“
Dass kompetente Kritiker ihre Meinung mitteilen ist eine Notwendigkeit, um eine von einem Team erarbeitete Lösung auf die dem Unternehmen maximal mögliche Qualität zu bringen. Zur Verfügung stehende Kompetenz nicht zu nutzen ist Verschwendung, die die Entwicklung des Unternehmens behindert, und damit auch Ihre. Sich Kritik auszusetzen ist natürlich selten angenehm (Gefühl), und bedeutet obendrein, dass man sich noch einmal an die Arbeit machen muss (Verstand), um die Anregungen der Kritiker einzubauen. Denn andere können Ihre Lösung nicht verbessern, be-arbeiten müssen Sie das von Ihnen Er-arbeitete schon selbst.
Bis übernächste Woche!
Der Inhalt des Posts ist lizenziert CC-BY-NC-ND. Er kann gerne jederzeit unter Namensnennung und Link zu nicht-kommerziellen Zwecken genutzt werden. Foto von Pourya Gohari auf Unsplash
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