Der neue Job

3. Juni 2022 - Ralf Hildebrandt

Liebe Leserinnen, werte Leser,   

ab und zu lernt man ein neues Unternehmen kennen. Vielleicht arbeiten Sie im Verkauf, sind dienstleistend unterwegs oder Beraterin, dann kommt das öfter vor. Oder Sie haben den Job gewechselt und sei es nur, indem Sie im selben Unternehmen von einer Organisationseinheit (Abteilung) in eine andere gehüpft sind. Oft genug hat man auch dann den Eindruck, in einem ganz anderen Unternehmen beschäftigt zu sein.   

Haben Sie sich dabei schon einmal beobachtet, wie Sie sich an eine neue Kultur heranpirschen? 

Aus formalen Strukturen (Organigrammen) lässt sich ja kaum etwas herauslesen. Daraus kann man entnehmen, wo der Urlaubsantrag abzugeben ist und wer im Falle eines Falles am längeren Hebel sitzt. Aber wie bekommen Sie heraus, wie der Hase außerhalb sichtbarer Formalitäten läuft?

Da haben Sie, wie jede andere auch, Ihren ganz eigenen Stil und über den macht man sich, von Mode einmal abgesehen (vielleicht), kaum explizite Gedanken. Wie man mit neuen Kulturen umgeht ist immer konkret und jedes Mal anders. Das rüttelt sich zurecht, man muss eben miteinander warm werden. Was soviel heißt, dass das Gefühlssache ist, man „Kulturannäherung“ nicht analytisch an, mit einem Fragebogen zum Beispiel. Damit könnte man höchstens herausbekommen, wie der formale Igel läuft, aber nicht der Hase.

Durch Fragen kann man tatsächlich kaum etwas über die Selbstverständlichkeiten erfahren, die sich die Befragten einer bestimmten Kultur mit der Zeit eingehandelt haben. Selbstverständlichkeiten sind denen, die sie benutzen (und sich damit das Leben erleichtern) nicht bekannt, sonst wären es ja keine (Selbstverständlichkeiten).

Statt sich also mit Fragen aufzuhalten, lernt man sich (und andere) kennen, indem man kulturunterstützend handelt und es dann darauf anlegt „belehrt“ zu werden: „Du lass mal, das brauchen wir hier nicht“, „ja, das ist okay, damit wird sie keine Probleme haben“, „klar, kannst Du so machen, ich guck’s mir aber auch gerne nochmal an.“ Man übernimmt das Risiko eines kleinen Fehlschlags und schon „wird man geholfen“.

In einem Gespräch empfiehlt sich ein ähnliches Vorgehen. Statt zu fragen, stellt man eine mehr oder weniger gut informierten Vermutung (einen „educated guess“) zur Verfügung. Man übernimmt das Risiko der Wahrheit und das öffnet die Türen der Hilfsbereitschaft. Vorausgesetzt natürlich, das Ganze ist kein Fake, dann ist es kaum zu vermeiden, dass man dumm bleibt. Davon hätten die, die mit einem längere Zeit auskommen müssen, nichts.

Die Kraft einer Kultur lernt man übrigens nur durch die Niederlagen kennen, die durchgestanden werden mussten. Wenn’s läuft, läuft’s (von alleine) – es kommt darauf an, wie’s läuft, wenn es nicht läuft. Wie mit Misserfolgen umgegangen wurde, gibt Aufschluss über die Innovationsfähigkeit einer Kultur. Meistens lohnt es sich, sich für die Geschichte einer Kultur (einer Abteilung) zu interessieren. Danach kann man fragen, man muss nur erklären, warum man sich ausgerechnet für die Misserfolge und nicht (wie alle anderen) für die Erfolge interessiert. 

Bis übernächste Woche!

 

 

 

 

 

 

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