Kann man Führung lernen?

22. August 2025 - Ralf Hildebrandt

Werte Leserinnen, liebe Leser,

vor vier Wochen haben Sie hier über Management als Einheit der Unterscheidung von Steuerung und Führung gelesen, und hier vor zwei Wochen über Führung – eine (sehr) kurze Rückblende:

  • Wenn Sie die Lösung eines Problems kennen, dann steuern Sie, um auf Basis Ihres Wissens Anweisungen an die von Ihnen Gemanagten zu generieren, die die dann umsetzen – vorausgesetzt natürlich, Sie sind in managender Funktion tätig und verfügen über die fürs wirksame Erteilen von Anweisungen benötigte Macht (Position), ohne die man Ihre Anweisungen ignorieren könnte.
  • Wenn Sie die Lösung eines Problems hingegen nicht kennen (können), weil es sich dabei um ein neues oder in Teilen neues Problem handelt, dann führen Sie, indem Sie das Problem „ausstellen“, was Problem und die dazu passende Talente Ihres Unternehmens (Ihres Teams, Ihrer Abteilung) in Resonanz bringt – vorausgesetzt natürlich, Sie verfügen über das dafür benötigte Ansehen, weil sich sonst wohl kaum jemand für Ihre Probleme interessieren würde.

Und wie dort schon angekündigt und Sie dem Titel dieses Beitrags entnehmen können, geht’s heute zum Abschluss der kleinen Sommerpausen-Urlaubs-Führungs-Trilogie um die Frage, ob man Führung lernen kann.

Natürlich kann man, Führungsseminare gibt’s wie Sand am Meer, was sollte man da lernen, wenn nicht Führung. So könnte oder muss man denken, wenn die Unterscheidung von Führung und Steuerung unbekannt ist, und beide Begriffe synonym verwendet werden, was in vielen Unternehmen der Fall ist, weil der Anteil von Führung im Management fast ein Jahrhundert lang vernachlässigbar klein war, weshalb sich die Begriffe mit der Zeit übereinander schoben.

Weil sich der Führungsanteil im Management heute unter hoher Dynamik aber nicht mehr ignorieren lässt (weil der Umgang mit neuen Problemen zum entscheidenden Konkurrenzmerkmal geworden ist), müssen Steuerung und Führung wieder unterschieden werden, eben weil sie sich unterscheiden, zum Beispiel, wenn´s ums Lernen geht:

  • Steuerung kann man lernen, denn Steuerung basiert, siehe oben, auf Wissen, und Wissen kann durch Bücher, an Universitäten (MBA), oder eben in Seminaren von Wissenden auf Unwissende übertragen werden.
  • Führung hingegen, Sie haben es geahnt, lässt sich nicht erlernen, aber beobachten, und wenn oder weil als Unterscheidung von Steuerung beobachtbar, auch bewusst nutzen und entwickeln.

Ein Beispiel: 

Falls Sie Führungstalent besitzen und Ihnen das oben erwähnte Ansehen entgegengebracht wird, dann können Sie im Umgang mit neuen Problemen an sich selbst beobachten, dass sich die Talente in Ihrer Umgebung (Ihres Unternehmens) für Ihr Problem (das Problem des von Ihnen zu managenden Unternehmens- oder Unternehmensbereichs) interessieren, weil das Problem nicht ungelöst bleiben kann oder soll. Wie Sie das machen, dass Interesse entsteht und „Ihr“ Problem durch Ausstellen die Lösungskompetenz anderer aktiviert, ist nichts, was man lernen könnte, sondern Ihre Wirkung beziehungsweise die Wirkung Ihres Führungstalents, was man genauso wie blonde Haare haben kann oder auch nicht. Und natürlich ist auch das Ansehen, was Ihnen entgegengebracht wird, nichts, was Sie in einem Seminar lernen könnten, sondern die Reaktion oder genauer gesagt ein sozialer Reflex auf Ihr Führungstalent.

Und wenn Sie nun feststellen, dass sich Ihre Leute für Ihre Probleme nicht oder nur vordergründig interessieren? Dann haben Sie wahrscheinlich kein Führungstalent, was man, wie gesagt, wie blonde Haare haben kann oder auch nicht. Das müssten Sie dann akzeptieren und den Führungsmangel mit Talenten in Ihrer Umgebung ausgleichen (die sich für Management als Einheit einer Unterscheidung interessieren).

Aber ganz gleich, ob Sie nun Führungstalent haben oder nicht, Seminare können Sie sich in jedem Fall sparen. Steht Talent zur Verfügung sind Seminare wir Flugunterricht für Vögel (Nassim Nicholas Taleb), und wenn es fehlen sollte, können sie auch nicht helfen.

Bis übernächste Woche!

 

 

 

 

 

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