Können schulen?

1. April 2022 - Ralf Hildebrandt

Liebe Leserinnen, werte Leser,

unter Kompetenz verstehen wir die Einheit der Unterscheidung von Wissen und Können. „Einheit“ bedeutet, beides kommt ohneeinander nicht vor, „Unterscheidungen“ (einer Einheit) sind nur fürs Denken gedacht.

Und wenn Sie nun, als aufmerksamer Leser unserer Posts den Eindruck haben, dass Sie das doch schon einmal gelesen hätten, liegen Sie richtig. So hatte schon der letzte Beitrag „Könner vergessen?“ begonnen. Mit „Kompetenz“ konnte zum Beispiel gedacht werden kann, dass es gegen (unbekannte) Dynamikprobleme noch kein Wissen gibt und das wiederum bedeutet, dass für deren Lösung vorrangig Können gefragt ist.

Wenn Wissen (als Teil von Kompetenz) nach jahrzehntelangem Erfolg betriebs-wissen-schaftlicher Organisationsgestaltung dominiert, kann Können leicht in Vergessenheit geraten. Häufig kommt es in der Ausbildung von kompetentem Personal deshalb nur aufs Wissen an. Wissen kann in Schulungen erworben werden, dort wird es vom Wissenden auf Unwissende übertragen. Neues Wissen gibt es dort nicht (auch wenn es auf die Unwissenden so wirkt). Solche Wissens-Schulungen werden oft auch „Training“ genannt. Dabei steckt zwischen Schulung und Training ein extremer Unterschied. Es empfiehlt sich auch hier, Verschmolzenes zu trennen und zu unterscheiden:

Schulung vermittelt Wissen, Training erzeugt Können.

Um zu trainieren (was man in einer Schulung gelernt hat) kann man sich nicht mit einer Gruppe Mitschüler in einen Nebenraum setzen und dann in einer „Breakout-Session“ irgendeine Aufgabe erledigen. Breakout bedeutet, dass man raus muss. Man muss den Schulungsraum verlassen und dorthin gehen, wo es Probleme gibt (Aufgaben sind keine) und dann handeln.

Training bedeutet immer Üben,

wie im Sport.

Ein Sportler kann zum Beispiel wissen, wie man einen Salto dreht (vielleicht aus einem Schulungsvideo – das hier ist kein besonders ermutigendes). Er kennt die Bewegungsabläufe, weiß, dass man auf den Füßen landen sollte, wieviel Anlauf man braucht, und so weiter. Aber allein deshalb bekommt er noch keinen Salto hin. Bis einer gelingt, muss er es oft probieren, oft trainieren, bis sein Wissen dann endlich ins Können übergegangen ist und damit reflexartig funktioniert – auch unter Stress zum Beispiel. Das ist Training.

Bis übernächste Woche!

 

 

 

 

 

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