Schreib´ mal wieder

7. November 2019 - Ralf Hildebrandt

Werte Leserinnen und Leser, 

junge Unternehmen, die unter Dynamik gewachsen sind, sind dynamik-robust. Natürlich. Das liegt auf der Hand. Gerne werden ihre Erfolge etwas älteren Unternehmen unter die Nase gehalten: “Guckt euch die ´mal an – so läuft das heute.”

Dabei sind die Newcomer zwar dynamikrobust. Das heißt aber noch lange nicht, dass sie keine Probleme hätten. Und das wissen sie auch. Aber was soll man machen, wenn man ständig als agiles Vorbild herhalten muss.

Wenn die Newcomer nicht mehr ganz so “new” sind, haben sie sich durch ihr Wachstum Probleme eingehandelt, die ältere Unternehmen schon hinter sich haben. Dann geht es zum Beispiel darum, Kommunikation zu organisieren (das war zu fünft nicht nötig). Dazu gehört u.a. auch, Meetings vorzubereiten – am besten schriftlich: 

“Oh, nee! Echt jetzt? Das geht mit modernen Meeting-Formaten doch viel schneller. Ein paar Skribbels hier, ein paar Post-It-Wände dort. Wir kennen uns doch. Was sollen wir da vorbereiten? Das ist Zeitverschwendung. Außerdem – wenn die alten Füchse zu Besuch kommen und sehen, wie zack-zack das bei uns geht, sind sie immer total beeindruckt. Die fragen sogar, wo man die selbstklebenden Flipcharts bekommen kann.”

Okay. Okay. Es kommt natürlich darauf an. Wenn eine kleine Gruppe ein Problem teilt – also zum Team wird – bedarf es keiner schriftlichen Vorbereitung. Da hat man eine solide emotionale Basis und kann sich einfach so zusammensetzen. Und gegen Post-Its gibt es selbstverständlich auch nichts einzuwenden.

Es ist nur so: Schrift hat Gesellschaft erst ermöglicht. Schrift hebt die Qualität einer Organisation auf ein höheres Niveau – sie hat sich nicht ohne Grund entwickelt. Schrift hat neben einer hohen Verbindlichkeit auch eine intensive Gedächtnisfunktion. Und wer sich nicht vergisst, bleibt noch ein Weilchen. 

Allerdings: Verbindlichkeit wird aus Kollegialität oft gemieden.

Wenn also die Start-Up-Kommunikation durch dynamikrobustes Wachstum an ihre Grenzen kommt (und man nicht mehr unbedingt jeden kennt, der auf dem Flur vorbeihuscht), sollte sich vielleicht ein Talent in den eigenen Reihen finden, welches die Angst vor Verbindlichkeit nimmt. Weil sie gute Erfahrungen mit Schrift gemacht hat. Und sie ihre exzellent vorbereiteten Meetings, ganz nebenbei, zur geschätzten Kollegin gemacht haben. 

Die Qualität einer Sitzung ist die Qualität ihrer Vorbereitung.

Wie gesagt, auch die Newcomer haben ihre Probleme.

Übernächste Woche gibt´s noch einen Nachschlag. Bis dann!

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